Focul Viu- Die ewig brennenden Feuer

Nach einer langen und wilden Autofahrt in den Osten Rumäniens erreichte ich endlich das Dorf im Buzău County, an einem idyllischen Fluss zwischen Bergen gelegen. Nach einer kurzen aber steilen Schotterpistenauffahrt gelangt man zu einem sehr mystischen Ort. Zwischen Bauernhäusern und Wald, an einem steilen Hang, befindet sich eine natürliche Terrasse. In der Mitte erscheinen mehrere Feuer die aus dem Boden brennen.

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Am Tage bei Sonnenschein lassen sich die Methanfeuer kaum erkennen. Daher ist es unbedingt empfehlenswert, hier auch mal im dunklen vorbeizukommen. Warum nicht vielleicht sogar allein!? Die Atmosphäre könnte dann wohltuend mystischer kaum mehr sein. Nach dem man irgend eine Unterkunft gefunden hat, kann man auch vom Dorf aus hoch laufen. Taschenlampe nicht vergessen!

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Apropos Unterkunft! Sowas gibt es in diesem Ort nicht. Nicht mal Pensionsausschilderungen oder ähnliches. Man kann schon froh sein, wenn man das kleine Schild an der Hauptstraße sieht, welches die Focul Viu Feuer ausschildert. Zuerst wollte ich an den Feuern Zelten, was früher möglich war. Heute jedoch steht ein Schild, dass es nicht erlaubt sei. Dann entschied ich, in einer offenen Schutzhütte zu übernachten, welche sich unmittelbar neben den Feuern befindet. Auch das ging nicht. Genau in der Mitte auf dem Boden befand sich ein riesiger frischer Kuhfladen! Einen Zwischenboden in der Hütte gab es nicht. Natürlich geht das Auto zum Schlafen zur Not immer. Aber das wäre doch langweilig!
Also fragte ich in der Nähe in einem Kuhstall nach, wo man denn hier übernachten könne. Der Bauer war zuerst etwas schüchtern. Er konnte nur rumänisch, etwas italienisch und spanisch. Ich hingegen nur englisch und etwas deutsch. Aber das war kein Problem.
Er verstand mit Hilfe der Hände schnell und teilte mir mit, dass es nichts zum Schlafen im Ort gibt. Trotzdem wollte er mich nur ungern wieder fahren lassen, weil es schon anfing du dämmern. Nach etwas wirrer Kommunikation bot er mir doch tatsächlich an, mit in seinem Haus unten im Dorf über Nacht bleiben zu können. Das ist eben Mentalität!
Toll! Ich freute mich darauf, denn es war das erste Mal, dass ich in ein rumänisches Haus komme. Ich musste noch 20 Minuten warten, bis er alle Kühe im Stall hatte. Er beschrieb mir grob den Weg, wo er wohnte. Der Mann lief, ich fuhr. Dann trafen wir uns kurz darauf vor seinem Grundstück und ich durfte sogar den Wagen in eine Art Hof fahren. Das Tor des Zaunes fiel beim Öffnen halb auseinander und war nur notdürftig zusammengeflickt. Beim Aussteigen aus dem Auto beobachteten mich neugierige Blicke von zwei sehr alten Leuten. Es waren die Eltern des Kuhbauern, die unter einem kleinen Dach vor dem Hauseingang saßen. Es gab einige Hühner, Küken und laute Truthähne, bei denen der Kopf blau anschwoll, als sie mich bemerkten. Ich musste darüber lachen, denn als Kind bin ich immer wegen den Viechern um mein Leben gerannt!
Natürlich dauerte es nicht lang und ich wurde direkt eingeladen, mich mit zu den Leuten zu setzen. Als erstes wurde „Pálinka“ (klarer Obstschnaps) auf den Tisch gestellt. Der alte Mann, sein Sohn und ich stießen an, während „Mama“ schon anfing zu kochen. Es war mir echt peinlich, mich schon jetzt so bedienen zu lassen. Also dann… „Noroc“ – Prost!
Prost aber heißt auf Rumänisch wiederrum „Idiot“. Also Vorsicht!

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Während des Essens versuchte ich klar zu machen, dass ich gern im kleinen Garten, der an das Haus grenzte, mein Zelt aufschlagen möchte. Aber da ging kein Weg rein. Ich sollte unbedingt ins Haus zum Schlafen! Zu essen gab es Rüherei, leckeren traditionellen Kuhkäse, (so ähnlich wie Schafskäse gemacht) den ich zuerst sehr gesalzen erwartete. Er schmeckte aber eher lieblich und sehr sehr lecker. Ein paar Zwiebelscheiben, Brot und eingelegte saure Paprika dazu. Alles aus eigenem Anbau. Gekauft wird hier anscheinend nicht viel. Wie auch, ohne Lebensmittelladen weit und breit. Somit gab es keinerlei Plastikverpackungen auf dem Tisch. Ein fast schon fremder Anblick.

Nach dem Essen holte ich ein paar Büchsenbiere aus meiner Kühlbox aus dem Fahrzeug und stellte alle auf den Tisch und lud die beiden Männer zum Trinken ein. Der Bauer machte große Augen und konnte sich nicht erklären, wie das Bier so kalt sein konnte, wo doch die Sonne gerade erst untergegangen war. Im Laufe des Abends zeigte ich ihm meine elektrische Kühlbox im Auto. So etwas war neu für ihn. Er wunderte sich. Daraufhin zeigte er mir seinen kleinen Keller im Haus. Hier war alles das gelagert, was auch auf dem Tisch stand. Außerdem mehrere Weinballons, Kraut und Gurken, eben alles das, was die Umgebung so hergab. Kühlung geht auch ohne Strom.
Die Eltern des fleißigen Sohns gingen unterdessen ins Bett. Der Bauer nahm mich nochmal mit zu den Feuern auf den Berg. Zuerst mussten wir einen Baumstamm, der über einen Fluss vor dem Haus lag, überqueren. An weiteren Ställen vorbei und einen steilen Abhang nach oben (nicht der Fahrweg) mit Hilfe von Taschenlampen bis hinauf an die Feuerstätte.

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Erst jetzt im Dunklen sieht man die ganze Schönheit dieses natürlichen Spektakels. Die Taschenlampen haben Pause. Die Umgebung ist erleuchtet. Auch spürt man eine angenehme Wärme, die von den kleinen Feuern (ca. 10-20 Stück) ausstrahlt. Man kann einmal versuchen, das Feuer zu ersticken. Es lässt sich mit einem Feuerzeug leicht wieder entzünden. Brennt kein Feuer über einem Loch, riecht es schnell nach Schwefel. Ein leises beruhigendes Feuerrauschen ist hörbar.
Noch aus Ceausescus Zeiten sind die Feuer von einem Betonkranz umringt. Hier stand früher auch ein Denkmal des Führers, welches aber nach dem Fall des Regimes abgerissen wurde.

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Nachdem wir etwas Zeit dort verbracht haben, stiegen wir wieder den Berg hinunter zum Haus meines netten Gastgebers. Er betrat mit mir sein altes Wohngebäude und zeigte mir das Zimmer, wo ich schlafen sollte. Er selbst ging dann recht schnell ins Bett, weil er früh raus musste. Nachdem ich meinen Schlafsack vom Auto holte, sah ich erst einmal richtig das Zimmer an. Und wieder musste ich lachen. Es war urig! Die Zeit schien irgendwann in den 60er Jahren stehen geblieben zu sein. Plastikblumen, Teppiche an den Wänden. Kaum eine Steckdose im Zimmer. Handgefertigte Türschlösser. Ein Röhrenradio und Fernseher. Ein großes mit Decken überhangenes Federkern-Sofa, das knarzte wenn man sich setzte. Es war hier mindestens genauso interessant wie die Feuer! Ich kam mir vor, als wenn ich bei Borat zu Hause wäre. Da fehlte nur noch die Kuh im Zimmer. Bei allem schlechten Humor machte ich mir jedoch beim Einschlafen klar, dass ich in einem armen Teil Rumäniens war und es im Nachbarhaus mit Sicherheit auch so ist. Auf dem Weg hierher konnte man so etwas bereits schon zur Genüge links und rechts der Straßen sehen. Ich war aber sehr glücklich hier zu sein, und machte mir schon Gedanken, was ich in der Früh als Dankeschön dalassen könnte.

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Nach einer störungsfreien Nacht erwachte ich am frühen Morgen, packte meine Sachen so langsam wieder ins Auto und wollte so tun als wenn ich weiter müsste und noch viel vor hätte. Aus dieser Taktik wurde aber leider nichts. Als ich das Fahrzeug belud, deckte man den Tisch schnell fürs Frühstück ein. Ich hatte keine Chance, schon jetzt „Auf Wiedersehen“ zu sagen. Ich musste wieder zurück und mitessen. Wie unangenehm! Das Essen war wieder sehr frisch und gut. Erst jetzt fiel mir ein, dass ich noch verschweißten deutschen Pulverkaffee im Auto hatte. Nach der Frühmahlzeit holte ich den Kaffee und schenkte ihn der Familie. Bei dieser Gelegenheit bedankte ich mich mehrmals recht herzlich und wollte noch etwas Geld dalassen. Wie fast schon erwartet, wollte niemand das Geld annehmen. Stattdessen ging der Bauer schnell in seinen Keller und schenkte mir doch tatsächlich noch eine Flasche selbst gemachten Weißwein aus einem der Weinballons! Ich fühlte mich natürlich viel zu sehr bevorteilt davon.

Nachdem die Abschiedszeremonie beendet war, öffnete der Hausherr mir das Hoftor, welches auch diesmal auseinanderfiel. Er bückte sich nach mehreren Bauteilen. Diese Gelegenheit nutzte ich aus und steckte das Geld unter einen Stein, der neben meinem Auto lag, sodass man es noch von oben erkennen konnte. Das Tor war daraufhin wieder gerichtet, welches der gute Mann festhielt, währenddessen ich rückwärts auf die Straße setzte.

Diese Menschen hatte nicht viel, haben aber alles geteilt und ich fühlte mich sehr willkommen, auch wenn man sprachlich leider kaum kommunizieren konnte, was wohl eher an mir lag. Die Reise durchs Land ging weiter. Was für ein nettes zwischenmenschliches Erlebnis! Obwohl ich fremd war und die Landessprache nicht konnte, wurde ich herzlich aufgenommen und respektvoll umsorgt. Daran werde ich mich noch oft erinnern!

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Danke für das Interesse meiner Berichte. Für Fragen stehe ich jederzeit zur Verfügung :-)

Veröffentlicht am 3. Juli 2015 in Europa, Focul Viu- Die ewigen Feuer, Rumänien und mit , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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