Der Pamir Highway M41

Die noch am bekanntesten Pamir-Reisenden dürften wohl die 4 Sachsen sein, die noch zu DDR-Zeiten 1989 den heutigen „Pik Leipzig“ auf eigene Faust bis auf knapp 6000m bestiegen haben. http://pik-leipzig.de/pik-leipzig-die-erstbesteigung/ Eine Welt voller Steine? Jaein! Wer den zweithöchsten Alpinpass der Welt bezwingt, bekommt noch viel mehr als das zu sehen. Voraussetzung: Wille. Am besten lässt sich das Pamirgebirge auf dem 1.252 km langen Pamir Highway von Osh/ Kirgisistan aus in Richtung Dushanbe/ Tadschikistan meistern, da man in diese Richtung länger Berg ab als Berg auf unterwegs sein wird. Ob man zwei, drei oder vier Rädern unter sich hat, vielleicht sogar zu Fuß die Berge überwinden will, ist jahreszeit-, wetter und fitnessabhängig. Selbst mit dem Auto ist man mindestens eine Woche unterwegs, da es kaum möglich ist, mehr als 100 km am Tag im mittleren Teil der Strecke motorisiert voran zu kommen.

Die Landschaft ändert sich während der Fahrt pausenlos, Stein um Stein, wenn auch oft nur langsam. IMG_2227

Sary Tash

Sary Tash

Der Anfang des „echten“ Actionhighways beginnt auf einem ca. 3000 m hohen Hochplateaus in Kirgisistan nach der letzten Stadt Sary Tash. Auch wenn die kirgisischen Hauptstraßen recht gut in Schuss sind, fängt spätestens hier die Schotterpiste bis hoch ins scheinbare Niemandsland an. Eine Art gefühlter Grenzstreifen nach Tadschikistan, auf dem man stundenlang bergauf über unbefestigten Untergrund unterwegs ist, obwohl man sich eigentlich kaum von der Stelle fortbewegt. Teilweise lässt sich hier kein Unterschied zwischen Flussbett und Fahrstrecke feststellen. Je höher man kommt, desto weniger Menschen, Fahrzeuge, Tierherden und Pflanzen sind zu sehen. Wer ohne Mitreisende unterwegs ist, ist bis zum Gipfel mit Sicherheit völlig allein. Die Grenze Kirgisistan/ Tatschikistan selbst besteht lediglich aus ein paar Hütten mit Ofenheizung welche auch noch im August, teils mit Schneefall auf über 4600 m über N.N, nötig ist. Wer hier höhenkrank wird und schlecht aussieht, wird mit Tabletten von den Grenzern versorgt. Einen Tee gibt es für alle, nachdem man mit Handschlag begrüßt wurde. Da die Grenzabwicklung sich oft in die Länge zieht, sitzt man mit Grenzsoldaten und MG´s an einem Tisch. Es herrscht dabei großes Interesse wie man in Europa lebt und mit welchem Auto man wohin und warum unterwegs ist. Dabei wird das Bürokratische schnell zur Nebensache. Vergessen sollte man seine Unterlagen hier oben dennoch nicht. Viel Grenzverkehr besteht augenscheinlich jedenfalls kaum, an einem der höchsten Punkte auf dem Pamirhighway. Von hier aus geht es immer Berg ab, Berg auf. In den nächsten Tagen aber insgesamt wieder deutlich nach unten. Eine wahre Perle ist der von einem Meteoriten erschaffene Karakul See kurz nach der offiziellen Grenze an dem man direkt vorbeikommt. Zum Lake Yashikul, welcher nicht vom Highway aus zu sehen ist, lohnt sich mit Hilfe von Navigationstechnik ein ca. 30 km Abstecher. Zum Beispiel über Nacht zum Camping. Häuserruinen und typische Bergvölker Jurten, (Zelte). Rings um den See gibt es vegetationslose Sandpisten auf denen man (wenn es das Fahrzeug noch hergeben sollte) wahnsinnig schnell unterwegs sein kann. Die meisten Gewässer sind eiskalt und kristallklar. Angeblich soll es hier auch einen Geysir im hiesigen Gebiet zu sehen geben. (Keine weiteren Informationen bekannt) Im begrünten Talbereich der Tour gibt es zahlreiche (meist nicht eindeutig ohne Beschilderung) dampfende Thermalquellen in denen streng nach Geschlecht getrennt wird. (kein europäischer Standard bezüglich der Badeanlagen)

Lake Yashikul

Lake Yashikul

Der Pamirhighway auf tadschikischer Seite grenzt etwa ab der Hälfte der Gesamtstrecke für ca. 100km, nur durch einen Fluss getrennt, direkt an die afghanischer Grenze.(Im oberen Bereich z.T. noch mit verstachelten Grenzzaun) Man kann also problemlos den afghanischen Bauern bei der Bestellung der Reisfelder von der „Straße“ auf der anderen Seite aus zusehen. Je weiter man hinunter kommt desto breiter und begrünter wird auch der Fluss. Es ist spannend zu beobachten, wie die Landschaft an weichheit dazugewinnt und das Schroffe immer mehr vergeht. Hin und wieder sind verrostete Militärmaschinen am Straßenrand sichtbar. Insbesondere in Gegenden wo der Fluss (noch) schmal ist, sind auch bunkerartige Bauten auf Tadschikischer Seite in den Bergen deutlich zu erkennen, wo vermutlich noch heute „Sicherheitspersonal“ stationiert ist. Man muss auch durch einen Pamirhighwaytunnel in dem bewaffnete Soldaten patrollieren. Angehalten wird man meist nur an Checkpoints zur Dokumentenkontrolle. „Hitler gut, Hitler kaputt“ Sprüche bekommt man hier leider unerwartet oft von Symphatisanten des 3. Reichs zu hören.

Nur durch einen Fluss getrennt- Afghanistan

Nur durch einen Fluss getrennt- Afghanistan

Wer endlich mal wieder in einem Bett schlafen will, der sollte im Hotel Pamir in Murgab einchecken. In dieser Stadt gibt es auch eine Post, eine Bank und einen größeren Markt wo man vom Schaschlik über Pelmeni bis Melone einiges frisch zubereitetes zur Auswahl hat, auch wenn der Basar eher einer Containersiedlung gleicht. Hier kommt man mit Einheimischen und Truckern beim Essen in Kontakt und sollte nicht verpasst werden. Felsrutsche passieren oft. Auf den wenigen Teilen der Strecke wo Asphalt vorhanden ist wurde zwischendurch immer wieder unterbrochen weiter zu asphaltieren, da es an manchen Stellen anscheinend regelmäßig zu Abgängen kommt. Weggespülte Straßenteile oder bereits halb verschüttete Bereiche des Highways werden nicht etwa mit Schildern angekündigt, sondern einfach mit simplen Steinen, die wie Straßenkegel aufgestellt sind und durch die selbe Farbe des eigentlichen Problems kaum zu unterscheiden sind. Nachts fahren ist somit eines der „No go´s.“ Nach etwa 2/3 der Tour kommt man immer mehr ins Grenzgebiet zu China, welches auch deutlich wird, indem einem immer mehr Lkw´s mit chinesischen Kennzeichen und Aufschriften entgegenkommen. Fällt kein Niederschlag, ist es furchtbar staubig und innerhalb kürzester Zeit befindet sich auch im Auto eine dicke Staubschicht. Da hilft es nur noch sich bestmöglich die Atemwege mit einem Tuch freizuhalten. Es ist keine Seltenheit dass z.B. zwei Lkw´s nicht an einer schmalen Passage aneinander vorbeipassen. Minutenlange Geduld ist während der Rangierphase angesagt. Auch kommt man wieder mit vielen herzlichen Einheimischen beim Warten in Kontakt. Ob mit Personen in einem besseren Geländewagen oder von einer Eselskarre aus. Neugierig sind die meisten. IMG_2267Wer mit dem Fahrzeug unterwegs ist, sollte sich auf einiges gefasst machen. Es gilt, diverse Flussläufe die über die Buckelpiste führen, zu durchqueren. (Speziell im „Niemandsland“ auf kirgisischer Seite bergauf) Wenn man stecken bleibt muss man schieben. Daher sollte man schon aus diesem Grund nicht allein eine derartige Tour fahren! Mögliche Schäden an Reifen, der Auspuffanlage oder am Fahrwerk sind nicht auszuschließen und schon fast vorprogrammiert. Der Unterboden des Fahrzeugs sollte verstärkt sein. Ständige derbe Bodenwellen, massive Schlaglöcher und harte Schläge aufs Bodenblech gehören auf dem Pamir einfach dazu! Da man sich nicht auf die letzte Tankstelle in Sari-Tash in Kirgisistan verlassen sollte, ist es empfehlenswert, schon davor vollzutanken und genügend (mehrere Kanister) Spritdepot mitzunehmen. Das größte Problem für Benzinverbrennungsmaschinen besteht darin, dass man in dieser Region der Erde meist nur minderwertigen 60 Oktan Benzin bekommt. Wenn man damit auf einer Höhe von knapp 5000 m dann auch noch bei wenig Höhensauerstoff unterwegs ist, ist es wirklich spannend ob die Maschine das mitmacht. Wie ein Traktor wird es sich allemal anhören! Es ist anzunehmen, dass es deshalb mehr sinn macht, ältere Autos für die Pamirtour zu bevorzugen.

Landestypische Behausungen

Landestypische Behausungen

Im „Niemandsland“ (ab Sari Tash), im Grenzgebiet und etwa 1/3 unterhalb der Strecke vom Grenzgebiet entfernt gibt es keinerlei Versorgungsmöglichkeiten! Es versteht sich von selbst immer genügend Nahrung und Trinkwasser dabei zu haben. Es macht Sinn zu Zelten und mit Campingausrüstung zu Kochen. (Achtung: Feuerzeuge funktionieren erst wieder unterhalb von ca. 3000 m N.N. Streichhölzer nicht vergessen) Für höhenempfindliche Personen empfiehlt sich Sauerstoffmitnahme in Form von kleineren O2 Druckflaschen und Atemmaske bzw. Sauerstoffbrille.

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Danke für das Interesse meiner Berichte. Für Fragen stehe ich jederzeit zur Verfügung :-)

Veröffentlicht am 31. Oktober 2014 in Asien, Tadschikistan und mit , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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